Fortsetzung :
Also fieberten wir alle, dass die Membrane standhielt.
Mit dem Spülen hatte ich ja keine Probleme mehr. Hatte da ja schon genug Übung mit.
Louis war pflegeleicht. Zum Spülen habe ich ihn in ein Handtuch gewickelt, damit er nicht unbedarft zur Seite springt. Damit ich in den Abszess kam zum Spülen, habe ich eine Knopfkanüle benutzt, wenn er dann zur Seite gesprungen wäre, hätte ich ihn mit der Kanüle nur mehr verletzt.
Er hat wohl geahnt, dass ich ihm nur helfen wollte. Er lag immer ganz entspannt in dem Handtuch und auch die Atmung ging langsam… also keine Anzeichen von Panik oder Angst.
Die ganze Woche ging es eigentlich gut mit ihm. Am Freitag hat die TÄ festgestellt, dass sich hinten an dem Loch, wo der Backenzahn saß, nekrotisches Gewebe gebildet hat.
Also musste wieder mit dem Maulspreizer gearbeitet werden, denn eine erneute Narkose… undenkbar.
Montag war ich wieder bei meiner TÄ um alles säubern zu lassen.
Da die Heilung so nicht vonstatten ging wie erhofft, habe ich in Bremen bei dem TA einen Termin ausgemacht. Wenn uns einer helfen konnte, dann hoffentlich er.
Egal wie das Helfen aussah. So wollte ich Louis nicht länger quälen.
Nachdem ich mit Louis zu Hause war, fing er mit extremen Speicheln an und roch auch auf einmal nach Eiter.
Ich bei der TÄ angerufen und sie war der Meinung, dass Louis wegen dem Reinigen des Loches hinten, den Eiter durch das Speicheln nach vorn abtransportieren wollte.
War ja auch nahe liegend, da sie das Loch hinten auch gespült hatte.
Sollte aber den nächsten Tag noch mal in die Praxis kommen, wenn das Speicheln nicht besser werden würde über Nacht.
Das war die Sorge die ich in dem Moment noch weniger gebraucht habe…man war ich froh, dass der Termin bis Mittwoch in Bremen nicht mehr weit war. Es war Rettung in Sicht.
Louis war Dienstagmorgen noch nasser als den Montagabend. Mein armer Stinker Louis… Er litt zusehends unter der Situation und ich benahm mich immer mehr wie ein kopfloses Huhn.
Keine klaren Gedanken, die Angst im Nacken, dass er genauso erlöst werden müsste wie Loona. Die Vorstellung war unerträglich und ich war wieder am heulen.
Musste mich aber doch zusammen reißen, dass das mein Sohn nicht so mitbekam. Er sollte jetzt noch nicht sehen, wie viel Angst ich um Louis hatte…ich wollte ihn bei anderer Gelegenheit darüber aufklären, wie ernst es um Louis stand.
Die TÄ hat noch eine Röntgenaufnahme vom Schädel gemacht um evtl. jetzt noch eine Ursache festzustellen, warum er so speichelt.
Auch diese Aufnahme war ohne Befund. Wieder alles negativ… wieder keine definitive Aussage was die Ursache ist… wieder mit der Ungewissheit nach Hause.
Also blieb alles an dem TA in Bremen hängen.
Abends habe ich meinen Sohn erzählt, was ich am nächsten Tag vorhatte. Ich habe ihm erklärt, was der TA in Bremen mit Louis machen würde und dass das die einzige Chance für Louis wäre und wenn ihn einer helfen könnte dann der TA. Ich habe meinem Sohn auch gesagt, dass wenn der Louis zu dolle krank ist, er dort erlöst wird, wie es mit Loona passiert ist. Aber ich habe zu ihm gesagt, dass wir daran erst mal nicht denken wollen, sondern die Daumen ganz stark für Louis drücken müssen und immer an einen guten Ausgang denken müssen.
Pascal ist den nächsten morgen 5.30Uhr aufgewacht um Louis noch einmal zu streicheln und ihm alles Gute zu wünschen. Natürlich waren hier alle am heulen und die Belastung war bei allen zu spüren.
Louis war der erklärte Liebling von meinem Freund. Auch er war in sich gekehrt und wünschte mir nur eine gute Fahrt.
Sonst habe ich immer von meinen Männern zu hören bekommen, mach mir meinen Louis heile…pass mir auf meinen Louis auf.
Den Morgen hat wohl jeder geahnt was bevor stand, was aber keiner mehr aussprechen wollte.
Punkt 8.00 war ich am Mittwochmorgen in Bremen bei dem TA. Er untersuchte Louis und sichtete die Röntgenaufnahmen.
Das gleiche Spiel wie bei Loona, ab in Narkose um weitere Untersuchungen zu machen und Louis dabei die Schmerzen und Angst zu ersparen.
Der TA beschloss, die verbliebenen Backenzähne zu entfernen, um so der Entzündung entgegen zu wirken, die sich dort mittlerweile ausbreitete. Er hatte die Hoffnung, da auch Nins ohne Backenzähne leben können, so Louis zu retten.
Beim Ziehen wurde aber die nächste Katastrophe sichtbar. Die Wurzeln waren kreuz und quer gewachsen und hatten dadurch den Kiefer zusammen gehalten. Beim Ziehen ist der Kiefer gesplittert und eine Spontanfraktur ist eingetreten.
Der Kiefer war so zerstört von dem Eiter, dass der TA keine Chance hatte, die Zähne aus dem Kiefer zu bekommen, so dass er heil blieb.
Auch in Louis Fall hab ich einen Anruf von dem TA auf mein Handy bekommen, dass er Louis gern erlösen möchte, da er so keine Chance auf ein gutes Leben hat…
Ich stimmte dem TA schweren Herzens zu, denn ich wollte, dass das Leiden von Louis endlich ein Ende hatte. Er hatte ja keine Chance…
Also fuhr ich wieder mit einem toten Kaninchen nach Hause…
Der Kopf war so leer, dass ich noch nicht mal mehr heulen konnte. Wieder diese Frage… wo habe ich versagt, dass ich es nicht eher erkannt habe. Hätte ich ihn früher erlösen lassen müssen!? War es mein Egoismus der ihn am Leben halten wollte!?
All diese Fragen von Loona und Louis beschäftigen mich, mal mehr, mal weniger.
Louis ist noch sehr präsent in meinem Kopf… OK, ist auch kein Wunder. Er ist ja erst am 9.6.2010 über die RBB gegangen.
Loona geb. 2004 am 03.11.2009 erlöst
Louis geb. Aug.2005 am 09.06.2010 erlöst
Beide haben ihren Platz bei uns im Garten gefunden, neben all den anderen Tieren, die vor ihnen gingen.
Pascal und ich haben Louis neben seiner Mama begraben und er geht zum Glück ganz gut mit dem Thema Tod um. Er findet es zwar doof, dass die Kaninchen nicht mehr da sind, aber versteht und akzeptiert, dass sie nicht zu retten waren.
Immer mal wieder kommt er mit Blümchen an, die dann auf die Gräber gelegt werden.
Er hält dann einen Moment kurz inne, dreht sich um und geht spielen.
Ich habe die Geschichte von Louis und Loona niedergeschrieben um anderen Mut zu machen, um ihre Kaninchen zu kämpfen. Um zu zeigen, dass all die Gedanken die man dabei hat, vollkommen normal sind. Auch die Ängste gehören zum Kämpfen dazu.
Für mich selber ist es ein Weg, das ganze Erlebte zu verarbeiten und irgendwann kein schlechtes Gewissen mehr zu haben.
Es ist zwar schmerzlich, die Tiere dann doch so zu verlieren, aber ich werde den Einsatz immer wieder zeigen… egal welches Tier krank ist.
Wer soll denn sonst unsere armen Nasen pflegen, wenn nicht wir als Halter!? Sie haben ja nur uns und wir sind es ihnen schuldig.
Auch wenn keine Genesung in Sicht ist, haben wir den letzten Gang mit ihnen zu gehen.
Auf diesem Wege möchte ich bei folgenden Leuten bedanken:
Meinem Freund, ohne ihn, wäre das Ganze nie möglich gewesen. Meiner Familie, die mich nie verspottet hat, wenn ich um meine Tiere gebangt habe. Meinen Tierärzten für ihren tollen Einsatz und natürlich den Usern im Forum
http://www.kaninchen-at-home.com , die immer fleißig die Daumen gedrückt haben und mich dadurch unterstützt haben.
© Andrea Oschmann Juni 2010