|
Fliegenmaden
Fliegenmaden sind ein schlimmes Thema für alle Kaninchenbesitzer, die schon mal ein Kaninchen durch Madenbefall verloren haben, denn diesen Anblick vergisst man nie!
Leider ist die Gefahr von Fliegenmadenbefall besonders bei Außenhaltung nicht 100%-ig ausschaltbar. Aber es gibt Möglichkeiten, die Risiken zu minimieren. Dazu muss man zunächst wissen, welche Tiere besonders gefährdet sind. Ein erhöhtes Risiko von Fliegenmaden befallen zu werden haben Kaninchen,:
- mit extrem langem Fell - die ein geschwächtes Immunsystem haben - mit Durchfall - die an E.C. erkrankt sind und in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt sind - mit starkem Übergewicht, die sich nicht mehr überall putzen können - die Zahnprobleme haben, da sie sich häufig nicht gründlich genug putzen können - die durch andere Erkrankungen geschwächt sind - mit offenen Wunden, Schnupfen oder verklebten Augen
Besonders bei solchen Tieren ist eine regelmäßige Kontrolle der gefährdeten Körperteile wichtg. Also Po, Wamme, Nase, Augen, evtl. Wunden mindestens einmal täglich kontrollieren.
Bei akuter Erkrankung ist es sinnvoll, das Kaninchen für ein paar Tage separat zu setzen und ein Moskitonetz über den Käfig zu legen.
Fakten zu Fliegenmaden: Ein Fliegenmadenbefall entsteht, wenn Fliegen ihre Eier auf dem Tier ablegen und die betroffene Körperstelle nicht gründlich gesäubert wird. Gefährlich sind allerdings nur die großen, schillernden "Schmeißfliegen". "Normale" Stubenfliegen stellen keine Bedrohung dar. Das größte Problem, das dafür sorgt, dass ein Befall mit Fliegenmaden oft unentdeckt bleibt, ist, dass die Maden ein Gift absondern, das die Schmerzempfindung ausschaltet. Das heißt, das Kaninchen verhält sich normal, es frisst, hoppelt und zeigt keine Krankheitsanzeichen. Und das, obwohl sich die Maden unter Umständen bereits tief in den Körper gefressen haben.
Bei einem Befall mit Fliegenmaden zählt jede Minute. Das Kaninchen sollte unverzüglich zu einem Tierarzt gebracht werden! Der wird die Maden entfernen und ein geeignetes Mittel (Dectomax oder Ivomec) spritzen. Werden die Maden im Anfangsstadium entdeckt, hat das Tier gute Chancen, sich wieder zu erholen. Haben sich die Maden allerdings bereits tiefer in den Körper gefressen, ist einschläfern die einzige Lösung.
Jolly - Ein Erfahrungsbericht
Letztes Jahr im Sommer haben wir unseren Jolly durch Fliegenmaden verloren. Jolly war ein Zahnkaninchen, das heißt, er hatte eine Zahnfehlstellung der Schneidezähne. Sie mussten regelmäßig gekürzt werden.
Eines Tages entdeckte ich bei der üblichen Kontrolle eine kleine Wunde an seinem Bauch. Ich denke, sie war bei Rangordnungskämpfen entstanden. Da die Wunde sauber war und nicht besonders groß, habe ich sie lediglich mit Vetsept desinfiziert und Jolly weiterhin bei den anderen in der großen Gruppe gelassen. Am folgenden Tag habe ich die Wunde weiterhin mit Vetsept desinfiziert und zwar morgens, mittags und abends. Bereits Mittags war die Wunde mit einer dicken Schicht Schorf bedeckt.
Als ich am nächsten Morgen die Wunde erneut kontrolliert habe, war sie komplett offen und war ca. 3x so groß wie vorher. Außerdem war die Wunde voller Maden, die sich deutlich auch unter dem Schorf ausgebreitet hatten.
Ich habe Jolly sofort in die Transportbox gesetzt und bin ihm zu meiner Tierärztin gefahren. Bis zu diesem Zeitpunkt war er in seinem Verhalten total unauffällig. Er hat die ganze Fahrt über gefressen. Bei der TÄ angekommen, wurden wir sofort ins Behandlungszimmer gebracht. Es war nicht möglich, die Maden abzusammeln und die Wunde auszuwaschen, weil Jolly mittlerweile doch Schmerzen hatte. Er wurde in Narkose gelegt und der Bauch wurde geöffnet. Dabei wurde das ganze Ausmaß sichtbar. Die Maden haten sich bereits durch den Bauchraum bis in den Hals gefressen. Jolly wurde noch in der Narkose erlöst.
Nach Meinung der Tierärztin müssen die Maden (bzw. die Fliegeneier) unter dem Schorf gesessen haben und sich dort trotz Desinfektion ausgebreitet haben.
Den Anblick von Jolly werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Seit diesem Erlebnis separiere ich Tiere mit offenen Wunden sofort in einem Stall mit Fliegennetz. Ich hoffe, dass ich nie wieder ein Tier durch Fliegenmaden verlieren werde.
© 2006 Anke Buchberger
|