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Wo hole ich meine Kaninchen?
Der erste Weg eines Kaninchenneulings führt normalerweise zu einem Zoogeschäft. Zooläden scheinen ideal für die Kaninchenanschaffung, denn es gibt sie fast an jeder Ecke, die Tiere sind relativ günstig, der Kauf zügig abgewickelt und neben der Auswahl an Tieren wird ein breites Sortiment an Zubehör angeboten. So können potentielle Kaninchenkäufer schon nach wenigen Minuten das Geschäft mit Tier, Käfig, Einstreu und Futter verlassen…
Doch häufig folgen auf Tierkäufe im Zooladen Probleme, denn es gibt eine breite Palette an Gründen, die gegen einen Kauf dort sprechen – und auch die vermeintlichen Vorteile dieser Geschäfte relativieren sich bei genauerem Hinsehen.
- Ein Tierkauf im Zooladen ist unkompliziert, der Käufer erhält Beratung, Tier und Zubehör aus einer Hand.
Genau darin liegt ein großes Problem der Zooläden. Der oft recht günstige Preis der angebotenen Tiere, die große Auswahl und die Möglichkeit schnell an alles zu kommen, was man zur Tierhaltung braucht, verleiten zu Spontankäufen.
Leider sind die Verkäufer in Zooläden nicht immer kompetent und der zukünftige Tierhalter wird selten neutral und umfassend über die Bedürfnisse der Tiere und die damit verbundenen notwendigen Anschaffungen aufgeklärt – der Umsatz und die im Geschäft angebotene Produktpalette stehen leider häufig im Vordergrund der „Beratungs“ - Gespräche. Oft finden die Gespräche auch unter erheblichem Zeitdruck statt, da die Verkäufer mehrere Kunden gleichzeitig betreuen müssen.
Auch die mit dem Kauf verbundenen Folgekosten (wie Geld für Impfungen, Kastrationen, Tierarztbesuche bei Krankheiten, Anschaffungen, Futter etc.) werden bei Spontankäufen oft übersehen – genauso die Tatsache, dass Kaninchen anspruchsvolle Haustiere sind und deren Haltung gelegentlich mit Einschränkungen für die Besitzer verbunden ist.
Nicht selten landen diese unüberlegt gekauften Tiere dann in Tierheimen, wo sie mitunter sehr, sehr lange auf ein neues Zuhause warten müssen – aber dazu später mehr…
- Tiere im Zoogeschäft sind viel süßer und kleiner als im Tierheim
Tatsächlich sind die im Zoogeschäft angebotenen Tiere sehr klein und jung. Selten können die Tiere länger als 4-6 Wochen bei ihren Müttern bleiben, bevor sie zum Verkauf angeboten werden. Dadurch gehen ihnen wichtige Immunisierungsstoffe über die Muttermilch verloren und sie haben nicht die Chance, von ihrer Mutter ausreichendes Sozialverhalten zu erlernen. Ältere Tiere gelten in Zoogeschäften als unverkäuflich und die Ladenhüter finden ihre letzte Bestimmung als Schlangenfutter
Ein Großteil der im Zoohandel verkauften Kaninchen kommt aus so genannten Massenvermehrungszuchten. Das bedeutet, dass häufig ohne jede Kontrolle gezüchtet wird und Tiere wahllos miteinander verpaart werden. Missbildungen und Probleme durch Inzucht sind demnach nicht selten. Zudem sorgen zu geringe Pausen zwischen den Würfen dafür, dass die Kaninchenmütter auch gesundheitlich stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Aufwändige tierärztliche Behandlungen sind aber oft schon aus Kostengründen in solchen Massenzuchten nicht drin und nicht selten enden die Kaninchenmütter so wie ihre unverkäuflichen Kinder in Zooläden – als Schlangenfutter.
Der Kauf von Kaninchenkindern bringt noch weitere Nachteile mit sich: Rammler müssen vor der 12ten Lebenswoche frühkastriert oder 6 Wochen in Kastrationsquarantäne gehalten werden, da sie so lange noch zeugungsfähig sind. Die Suche nach einem in Frühkastrationen erfahrenen Tierarzt kann manchmal sehr ermüdend werden (da nicht alle Tierärzte diese frühe Kastration beherrschen) und eine Trennung der Tiere nach der 12ten Woche scheitert häufig an Platz- oder Organisationsgründen der Halter.
Der Kauf eines Tieres aus dem Zoogeschäft um es mit einem bereits vorhandenen Tier zu vergesellschaften scheitert schon am Alter der in Zooläden angebotenen Kaninchenkinder. Sie sind altersmäßig kein passender Partner für ein erwachsenes Kaninchen und können bei der Vergesellschaftung lebensgefährlich verletzt werden, da sie dem Partnertier körperlich weit unterlegen sind.
Es spricht also vieles dagegen, so junge Tiere zu kaufen – zumal auch die allerkleinsten Kaninchenkinder eines Tages erwachsen werden und ihr Kindchenschema verlieren. Ein verantwortungsvoller Halter sollte seine Liebe zum Tier also nicht an solchen veränderlichen optischen Dingen festmachen und immer bedenken, dass Tiere sich immer wieder sowohl im Aussehen als auch im Verhalten verändern können.
Ein kleiner Tipp am Rande: Auch in Tierheimen gibt es regelmäßig Kaninchenkinder, da trächtige Kaninchendamen bevorzugt in Tierheimen abgegeben werden oder Hobbyzüchter bemerken, dass mit dem Nachwuchs enorme Kosten verbunden sind und diesen im Tierheim abladen….
- Kaninchen sind im Zooladen billig
Mag sein, dass die in Zooläden angebotenen Tiere auf den ersten Blick sehr preiswert erscheinen. Doch auch dieser Vorteil relativiert sich bei näherem Hinsehen. Die dort angebotenen Tiere sind normalerweise weder geimpft noch kastriert. Doch beides ist unbedingt notwendig, um die Tiere gesund und die Rammler artgerecht halten zu können. So kommen auf den ahnungslosen Käufer Folgekosten von bis zu 80 € pro Tier zu. Schon im Vergleich dazu sind Tierheimtiere (die regulär geimpft und die Rammler kastriert abgegeben werden) absolut preiswert.
Zudem werden die Verkaufstiere im Zoohandel selten tierärztlich überwacht. Der Kunde kauft also nicht zwangsläufig ein gesundes Tier – gerade Kokzidiose ist bei Zoohandelstieren keine seltene Erkrankung. Im Gegensatz dazu werden die Tiere im Tierheim von Tierärzten versorgt und der Interessent auf (chronische) Krankheiten oder Zahnfehlstellungen hingewiesen.
- Bei all den Nachteilen und Problemen im Zoogeschäft: helfe ich nicht dem Tier, wenn ich es kaufe und ihm ein schönes Leben biete?
Sicherlich hilft ein Kauf dem einzelnen Tier – im Gesamtzusammenhang betrachtet schadet er aber mehr als er nützt.
Der Kunde sollte immer bedenken, dass er mit jedem Kauf die Geschäftspraktiken der einzelnen Läden unterstützt. Massenvermehrungszuchten, Entsorgung unverkäuflicher Tiere als Schlangenfutter, die zu frühe Trennung der Kaninchenkinder von ihrer Mutter und die oft mangelhafte tierärztliche Versorgung werden durch das Geld und die Nachfrage der einzelnen Kunden unterstützt. Erst dann, wenn die Umsätze zurückgehen und die Kunden sich kritisch mit den Umständen der Tierverkäufe auseinandersetzen wir auch der Handel gezwungen sein, sich langsam aber sicher umzuorientieren.
Für jedes gekaufte Tier rückt ein neues Tier nach – und jedes im Zooladen gekaufte Tier bedeutet, dass ein Tier weniger in den Tierheimen ein neues Zuhause findet.
- Gibt es nicht auch gute Zoogeschäfte?
Sicherlich sind nicht alle Zoogeschäfte gleich schlecht – und sicherlich gibt es auch Ausnahmen, in denen das Wohl der verkauften Tiere im Mittelpunkt steht. Ich persönlich habe allerdings noch kein Zoogeschäft gesehen, das mich überzeugt hätte.
Zumal bei jedem Kauf im Zooladen die Zucht und der unüberlegte Kauf von Kaninchen unterstützt wird und die Tiere in Tierheimen, die nicht minder süß, liebesbedürftig oder faszinierend sind, auf der Strecke bleiben.
© Katja Theilen 2006
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