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Leben mit Kaninchen
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 Betreff des Beitrags: 21. Innenhaltung
BeitragVerfasst: Freitag 24. März 2006, 02:06 
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Kaninchen in der Innenhaltung

Wer keinen Garten besitzt bzw. diesen nicht für ein Kaninchengehege in adäquater Größe nutzen kann, hat auch die Möglichkeit, Kaninchen im Haus/in der Wohnung zu halten.

Auch bei einer Innenhaltung müssen einige Aspekte beachtet werden, um den Kaninchen ein möglichst artgerechtes und glückliches Leben zu ermöglichen.

Kaninchen vertragen keine Hitze, daher sind Dachwohnungen oder – zimmer und Räume mit Fenstern Richtung Süden nur bedingt geeignet, da hier ggf. die Temperatur im Sommer zu hoch ist. Überhitzte Räume führen bei Kaninchen schnell zu Tod durch Hitzschlag.
Zu viel Unruhe (z.B. in Kinder- oder Durchgangszimmern) sowie Zimmer in denen geraucht und/oder laut Musik oder Fernsehen gehört wird, machen die Tiere auf Dauer krank und sind für einen Aufenthalt nicht geeignet.
Der Aufenthaltsraum sollte hell und luftig, aber nicht zu warm oder zugig sein.

Eine leider noch immer weit verbreitete Haltungsform zwingt Kaninchen, den größten Teil ihres Lebens in einem engen Käfig zu sitzen und auf den gelegentlich gewährten Auslauf zu warten. Diese Art der Haltung hat mit einer artgerechten Unterbringung nichts zu tun. Niemand würde auf die Idee kommen, eine Katze oder einen Hund in einen Käfig zu sperren und nur zum Spielen oder für die Gassi-Runde frei zu lassen. Synonyme für „einsperren“ sind bezeichnender Weise auch „berauben“ (der Freiheit) und „bestrafen“ (wofür?). Auch Kaninchen haben das Bedürfnis, sich ständig zu bewegen, sich an verschiedene Orte zu legen und immer etwas Neues zu entdecken. Von den im Handel erhältlichen Käfigen ist grundsätzlich abzuraten. Sie eignen sich lediglich für eine vorübergehende Unterbringung, z.B. im Krankheitsfall, nach Operationen etc., die Unterschalen können in Gehegen oder Kaninchenzimmern als Toilette oder Wühlkiste benutzt werden.

Das eingesperrt sein in diesen Gitterverschlägen ist für jedes Kaninchen eine Qual und führt nicht selten zu Verhaltensauffälligkeiten wie Aggression oder Apathie. Mögliche körperliche Folgen des Bewegungsmangels sind Fettleibigkeit, Verkümmern der Muskulatur sowie schmerzhafte Gelenkprobleme.

Um dem Bewegungsdrang, der Neugier und dem Spieltrieb von Kaninchen zu jeder Tages- und Nachtzeit gerecht zu werden, bieten sich unterschiedliche Haltungsformen innerhalb der Wohnung an, die nach Platzangebot gewählt werden können.

Auch bei Innenhaltung sollten für den Daueraufenthalt pro Tier mindestens 2 qm Fläche zur Verfügung stehen. Zum Vergleich: ein handelsüblicher Gitterkäfig mit 120 cm Länge und 60 cm Breite bietet dem Tier gerade mal 0,72m², also gerade 1/3 der Mindestfläche. Ist der Käfig mit einem Kaninchenpärchen belegt, reduziert sich der Platz pro Tier demnach sogar auf ein 1/6 – also knapp 17% des nötigen Bewegungsraums

Für eine artgerechte Innenhaltung von Kaninchen gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, von denen wir die drei gängigsten im Folgenden darstellen:


1. Etagenkäfig mit angebautem Auslauf (bei wenig verfügbarem Raum)

Käfige, die über mehrere Etagen gebaut werden vergrößern die Grundfläche, auf der sich die Tiere dauerhaft bewegen können und bieten durch unterschiedlich eingerichtete Etagen Abwechslung. Zusätzlich zu den Etagen muss den Tieren täglich Auslauf in der Wohnung gewährt werden. Wenn möglich, sollte anschließend an den Käfig ein zusätzlicher Auslauf gebaut werden. Hierzu eignen sich Gitter, die auch für Gartenausläufe benutzt werden. Da diese Gitter leicht übersprungen werden können, sollte ein Netz über den Freilauf gespannt werden.

2. Zimmergehege (wenn etwas Platz zur Verfügung steht)

Steht eine Seite oder Ecke eines Zimmers zur Verfügung (auch hier pro Tier mindestens 2 qm), kann der Raum z.B. mit hohen Außengehegeteilen abgeteilt und ggf. von oben gegen Fluchtversuche abgesichert werden (Kaninchen sind erstklassige Springer, ein 100cm hohes Gitter ist kein sicherer Schutz gegen Ausbruch). Die Kaninchen nehmen am Familienleben teil und haben immer ausreichend Freilauf. Der Auslauf im Rest des Zimmers/der Wohnung kann aber vom Halter kontrolliert und der gegebenenfalls vorhandenen Zerstörungswut der Kaninchen Einhalt geboten werden. Die Einrichtung des Geheges sollte abwechslungsreich sein (siehe Checkliste) und den Tieren immer ausreichend Bewegungsmöglichkeit/Renn- und Springstrecken bieten.

3. Kaninchenzimmer

Ein eigenes Zimmer hat den Vorteil, dass die Kaninchen viel Platz zur Verfügung haben. Auch kleine Gruppen können gut untergebracht werden. Der gesamte Raum kann von vorn herein
individuell nach den Bedürfnissen der Tiere eingerichtet und gesichert werden, auf für das menschliche Auge wichtige dekorative Aspekte kann zugunsten der Kaninchen verzichtet werden.
Nachteilig für den Halter ist unter Umständen dass der Kontakt zu den Tieren geringer ist, wenn sie sich außerhalb der Hauptaufenthaltsräume der Familie befinden.
Die Einrichtung sollte auch hier Höhlen und Tunnel beinhalten, da sich Kaninchen auch in der Natur bei Gefahr und während ihrer Schlaf- und Ruhephasen in ihre Bauten zurückziehen.

In Freiheit bauen Kaninchen Gänge und Höhlen, graben in der Erde nach Futter und ziehen Rinde von Bäumen. Kaninchen in Innenhaltung setzen dieses Verhalten unter Umständen fort. Die Freude am Buddeln setzen sie häufig in ihrer Toilettenschale um, ggf. aber auch auf Teppichen und anderen Bodenbelägen. Löcher bzw. Kratzspuren auf Teppichen sowie sorgfältig entfernte Fransen müssen von vorn herein einkalkuliert werden. Teure Teppiche sollten nur außerhalb des für die Kaninchen zugänglichen Gebiets ausgelegt werden. Als Rindenersatz müssen bei einigen Kaninchen Tapeten her halten, die in Streifen von der Wand gezogen werden.

Einige gefährdete Einrichtungs- und sonstige Gegenstände:

Tapeten: werden gern von der Wand gezogen
Vorbeugen durch: Plexiglasscheiben, die im unteren Teil der Wand angeschraubt werden
Alternative: Rauputz

Gardinen: werden häufig unten angefressen. Kaninchen können sich in den eingefressenen Löchern strangulieren!
Alternative: keine bodenlangen Gardinen in Kaninchennähe/im Gehege

Möbel: Holz wird gern angefressen
Vorbeugen durch: einige Kaninchen lassen sich durch frische Äste zum Benagen ablenken. Teure oder wertvolle Möbel außerhalb der Reichweite der Kaninchen aufstellen.

Kabel: Enthalten süßlich riechende Weichmacher sind für Kaninchen unwiderstehlich. Das Anknabbern ist aus verschiedenen Gründen (Stromschlag, Verschlucken von Kabel- und Drahtteilen) lebensgefährlich.
Vorbeugen: Kabel aus der Reichweite der Kaninchen entfernen, in Kabelkanäle bzw. unter Teppichleisten verbauen.

Textilien, Schuhe, Spielzeug, Taschen, Bücher, Zeitungen und Zeitschriften: werden mit Löchern versehen und zerrissen. Es ist auch zu bedenken, dass einige Kaninchen in Regale springen.
Vorbeugen: wegstellen, hoch legen. Bücher im Regal an den Rand stellen.

Teppiche/Sofas/Sessel/Betten: werden angefressen, entfranst, markiert, als Toilette benutzt
Vorbeugen: Teure Teppiche nur außerhalb des Kaninchengebiets auslegen. Kaninchen keinen Zugang zu Sitz- und Schlafmöbeln gewähren.

Parkett/Laminat: wird als Toilette benutzt, Urin zieht in die Fugen
Vorbeugen: Boden mit waschbaren Teppichen auslegen

Zimmerpflanzen: Kaninchen graben gern Blumenerde aus Kübeln und Töpfen und verteilen diese im Teppich. Gefährdung durch Schimmelsporen, Dünger und Hartschaumkugeln. Auch hier bitte bedenken, die Kaninchen können auf die Fensterbank springen.
Vorbeugen: Alle Zimmerpflanzen aus dem Bewegungsradius der Kaninchen entfernen.
Giftige Pflanzen grundsätzlich besonders sichern, um die Kaninchen nicht zu gefährden. Vorsicht auch bei Blumenampeln, es können trockene Blätter herunterfallen und von den Kaninchen aufgenommen werden

Bei der Verlegung von Kabeln muss bedacht werden, dass Kaninchen hinter die meisten Möbelstücke passen (7 cm Platz reichen aus).


Mögliche Inneneinrichtung eines Kaninchenzimmers/Innengeheges:


Bodenbelag

- Rasenteppich
- Waschbare Teppiche (z.B. von IKEA)

Schlafplatz

- Rattan-Katzenkörbe ohne Tür
- Große Transportboxen ohne Tür
- Holz- oder Kunststoffhäuschen

Toilette

- Katzentoiletten
- Kunststoff-Käfigunterschalen

Beschäftigung

- Rattanbälle (z.B. von IKEA)
- Röhren zum Durchlaufen, entweder aus Stoff (z.B. bei http://www.kaninchenschutz.de) oder, wenn die Kaninchen Stoffe anknabbern, aus festem Kunststoff (Abflussrohre mit großem Durchmesser aus dem Baustoffhandel), Pappröhren (z.B. Kerne von Teppichrollen). Gibt es auf Anfrage kostenlos beim Raumausstatter oder im Baumarkt.
- Knabberhölzer (Apfel-, Weiden-, Birkenzweige)

Versorgung

- Steingut- oder Keramikschüsseln für Frischfutter und Wasser
- Alternativ großer Wasserspender aus Kunststoff
- Heuraufe (z.B. Geschirrabtropfgitter aus Holz von IKEA)

Sicherheit

- Steckdosen mit Kindersicherungen versehen
- Kabel außer Reichweite bringen (möglichst ganz aus dem Gehege/Zimmer entfernen, notfalls in Kabelkanälen verstecken oder unter Teppichleisten verlegen)
- Zimmerpflanzen entfernen (Vorsicht bei Blumenampeln, es können trockene Blätter ins Gehege fallen). Auch Blumenerde von ansonsten ungiftigen Pflanzen kann durch Düngemittelspuren und Hartschaumkügelchen gefährlich werden.
- Tapeten z.B. mit in die Wand geschraubten Plexiglasscheiben gegen Abreißen schützen. Wer die Plexiglasscheiben nicht andübeln mag, kann sie auch hinter angrenzende Möbelstücke schieben.

Gehegebeispiele findet ihr hier

© Christina und Andrea 2006


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