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 Betreff des Beitrags: 26. E.C. (Enzephalitozoon Cuniculi)
BeitragVerfasst: Freitag 24. März 2006, 01:48 
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Encephalitozoon cuniculi (E.c.)

1. Was ist E.c.?
E. c. ist eine Krankheit, die durch einen Parasiten hervorgerufen wird. Er befällt in erster Linie das Nervensystem des erkrankten Tieres.



2. Wie erfolgt die Ansteckung?
Die Ansteckung erfolgt in erster Linie über Kot bzw. Urin eines anderen, bereits infizierten Tieres. Dieses kann natürlich auch über die Nahrung erfolgen. Insbesondere bei Nahrungsmitteln, die in der freien Natur gesammelt und verfüttert werden.

Eine Ansteckung ist in erster Linie zwischen Kaninchen möglich. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass andere Säugetiere mit geschwächtem Immunsystem angesteckt werden. Außerdem gibt es Berichte, wonach sich auch Menschen mit geschwächten Immunsystem (z. B. HIV-Infizierte oder während einer Chemotherapie) angesteckt haben sollen. Diese sollten daher den Kontakt mit einem infizierten Tier meiden. Selbstverständlich sollten unbedingt hohe Hygienemaßstäbe angesetzt werden.



3. Woran erkenne ich E.c.?
Leider gibt es bei der Erkennung von E.c. immer wieder Fehldiagnosen. Was gerade bei dieser Krankheit gefährlich ist. E. c. muss immer schnellstmöglich behandelt werden. Der Zeitfaktor spielt eine entscheidende Rolle, um eine Verschlimmerung oder mögliche Spätfolgen auszuschließen oder zumindest zu minimieren. Häufig werden aber selbst klassische Anzeichen fehlinterpretiert mit katastrophalen Folgen für das infizierte Tier.

Anzeichen können sein:

- Kopfschiefhaltung
- Pendeln des Kopfes
- Kreiseln um die eigene Achse
- Lähmung der (meist hinteren) Gliedmaßen
- Drehen und an der Wand langlaufen
- Freßunlust
- Verweigerung der Nahrungsaufnahme
- Plötzliches Abmagern des Tieres
- unerklärlicher Gewichtsverlust
- Verdauungsstörungen
- Veränderungen der Augen (Eintrübung, weiße Flecken) bis hin zu Erblindung
- unkontrollierte, schnelle Bewegungen der Augen
- plötzlich auftretende Blindheit
- immer wieder kehrende Krankheiten, die nicht zu bekämpfen sind.
- Apathie

Die oben genannten Anzeichen sind nur eine Auswahl der klassischen Symptome. Leider werden immer wieder neue Anzeichen gefunden, die auch für E.c. sprechen.

Häufig wird von den Tierärzten aber nicht E.c., sondern eine andere Krankheit diagnotiziert. So wird z. B. eine Lähmung der Gliedmaßen häufig zunächst erst einmal als Verstauchung o. ä. behandelt. Das ist fatal. Denn wie bereits gesagt, zählt jede Minute. Nur ein schnelles Eingreifen verhindert Schlimmeres.

Trotzdem sollten natürlich zunächst alle anderen Möglichkeiten von einem kaninchenerfahrenen Tierarzt ausgeschlossen worden sein und auf gar keinen Fall einfach „auf Verdacht“ behandelt werden. Wenn aber andere Krankheiten ausgeschlossen werden können, sollte in jedem Fall ein Bluttest gemacht werden. Hierüber kann der Titer des erkrankten Tieres bestimmt werden, der eine Aussage darüber macht, ob und wie schwer der Befall ist. Bitte bestehe auf jeden Fall auf einen Immunfluoreszenztest. Nur hiermit ist eine eindeutige Bestimmung möglich. Tuschetest oder gar Urintest sagen nichts aus. Auch wenn in der Vergangenheit dieses gern von den Tierärzten behauptet wurde.
(Die Adresse eines Labors, dass diesen Test durchführt, ist am Ende dieses Textes)


Festzustellen ist allerdings, dass ca. 50 % aller Tiere den Erreger in sich haben, also positiv sind. Daher würde es wenig Sinn machen, einem Tier ohne Krankheitsanzeichen Blut abzunehmen und dieses untersuchen zu lassen. Das Ergebnis könnte positiv sein ohne, dass das Tier auch nur das geringste Anzeichen einer Erkrankung hat.



4. Wie behandele ich E.c.?
Wie bereits beschrieben ist das Wichtigste, dass Du schnell reagierst und umgehend, wenn die Diagnose gestellt wurde, behandeln lässt. Folgende Medikamente sollten zum Einsatz kommen:

Panacur (möglich ist auch ein anderes Albendazol bzw. Fenbendazol)
Hier ist die Eingabe der 10% Suspension zu empfehlen, Dosierung 0,2ml/kg Körpergewicht. Diese ist am einfachsten per Spritze ins Mäulchen zu geben.
Das Wurmmittel greift den Erreger direkt an und tötet ihn ab.

Vitamin B
Vitamin B ist das Nervenvitamin. Daher sollte es unbedingt zum Einsatz kommen.

Antibiotikum
Zur Behandlung evtl. vorhandener Sekundärinfektionen oder zur Abwendung solcher Erkrankungen kann ein Antibiotikum erforderlich sein. Entgegen landläufiger Meinungen muss kein gehirngängiges Antibiotikum eingesetzt werden, da ja das Wurmmittel die Blut- Hirnschranke überwindet und den Erreger im Gehirn direkt bekämpft. Das Antibiotikum ist ausschließlich für die Bekämpfung von Infektionen notwendig, die aufgrund der geschwächten Abwehrkräfte sehr viel schneller ausbrechen können.

Cortison
Evtl. kann auch der Einsatz von Cortison sinnvoll sein, dieses sollte der behandelnde Tierarzt abwägen.


Eine vorsorgliche Behandlung macht übrigens keinen Sinn. Auch eine Impfung gibt es bis heute leider nicht.



5. Sollten Partnertiere mitbehandelt werden?
Früher hat man dazu geneigt, diese Frage zu bejahen. Inzwischen ist man davon abgerückt. Schließlich haben alle Medikamente Nebenwirkungen. Daher rate ich davon ab, ein Partnertier mitzubehandeln. Du würdest doch auch kein Antibiotikum nehmen, nur weil deine Freunde, Familie oder Dein Partner krank ist, oder?


6. Wie lange muss ich behandeln?
Die einzig sinnhaltige Antwort, die man darauf geben kann lautet: Das kommt darauf an. Manche Tiere erholen sich erstaunlich schnell, manche brauchen Wochen. Eine Behandlung mit Panacur sollte aber nicht 4 Wochen unterschreiten. Und auch wenn das Tier wieder augenscheinlich gesund ist, sollte man nie Rückfälle ausschließen. Auch gibt es leider Fälle, in denen die Tiere es trotz der besten Behandlung nicht schaffen.


Wer zum ersten Mal ein E.c. erkranktes Kaninchen sieht, bekommt mit Sicherheit einen Schreck. Gerade bei Tieren, die unter Schiefkopfhaltung oder Rotieren leiden. Der Anblick ist nicht leicht. Da kommt bei manchen schnell die Frage hoch, ob eine Behandlung sich überhaupt lohnt oder ob sich das Tier nicht quält. Diese Frage kann Dir keiner beantworten. Wichtig ist, dass du dein Tier ganz genau zu beobachtest. Zum einen können sich viele Kaninchen überraschend gut mit ihrer Situation arrangieren und haben weiterhin Lebensfreude. Außerdem gibt es genug Fälle von Kaninchen, die wieder fast oder sogar ganz vollständig genesen sind.

Aus meiner eigenen Erfahrung und Beobachtung kann ich nur sagen: Nimm den Kampf auf! Die Chancen sind meist besser als man denkt. Allerdings braucht es Geduld. Meine Töffi selbst hat so schlimm gehinkt, dass sie nirgends raufspringen konnte und immer mit dem rechten Hinterbein hängen blieb. Es tat weh, das zu beobachten. Es hat Wochen gedauert bis es besser wurde und ich hab oft gezweifelt, ob ich ihr einen Gefallen tue. Heute hinkt sie zwar noch manchmal, aber sie springt inzwischen überall rauf und hat überhaupt keine Probleme mehr. Ich bin froh, dass die Krankheit bei ihr rechtzeitig erkannt wurde und sie daher schnell behandelt wurde.

Adresse eines Labors, das eine Titerhöhe-Bestimmung durchführt:

Dr. Dieter Barutzki
Fachtierarzt für Parasitologie
Tierärztliches Labor
Wendlinger Str. 34
79111 Freiburg
Tel. 07614761200

©Petra Cremer in Zusammenarbeit mit dem K@H-Team 2009


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